... aus der Zeitschrift Film und Frau von 1957:

"JUNI

Astrologisch: Die Sonne tritt in das Tierkreiszeichen des Pfingsthammels. Den 24. dreimal rot ankreuzen! Da brennen die Johannisfeuer, damit sich ihre Wünsche erfüllen. Aus Sonnenwendbüschen lesen die Mädchen ihre Orakel, heute, gestern, vor hundert Jahren. Versunkene Glocken beginnen wieder zu läuten, Wünschelruten werden geschnitten, Schätze werden gehoben und die Tiere reden. In der Johannisnacht veranstalteten die Teenager im England des 17. Jahrhunderts ihr "Dumb Supper", ihr "Schweige-Nachtessen". Wollen wir's ihnen nicht einmal nachmachen? Es geht folgendermaßen: Man lädt zwei, drei oder vier Freundinnen, unverheiratet und unvergeben, zu einem Mitternachts-Snack ein für die Zeit so gegen 11.30 Uhr. Von der Ankuft der Schweige-Souper-Gäste an bis zum Fortgehen muß alles schweigen. Sogar das Radio. Und damit das Nachtmahl noch unwirklicher wird, geht alles verkehrt herum zu: Die Eßbestecke liegen rückwärts neben den Tellern, weisen also mit den Griffen zur Tischmitte, die Stühle stehen mit den Lehnen gegen die Tafel, beim Auftragen aus der Küche wird rückwärts gegangen, und das Menü beginnt mit dem Dessert und endet mit der Suppe. Beleuchtung: Eine einzige Kerze, und die soll möglichst tropfen und gespenstisch flackern. Ist dann so etwa gegen Mitternacht der letzte Gang die Suppe ausgelöffelt, bleiben die Jungfrauen sitzen und warten in weiterhin ganz großem Schweigen auf den Glockenschlag der Turmuhr. Junge Damen, denen das Mundhalten allzu schwer fällt, können zur Erleichterung einen Schnuller erhalten. Schlägt endlich die Gespensterstunde, wird die Kerze gelöscht und alle starren ins Dunkel der Johannisnacht. Und plötzlich sieht jedes Mädchen seinen Beau vor sich im Finstern, um ihn nie wieder zu vergessen. - Sonst hat der Juni wenig für Liebende zu bedeuten. Es ist zwar der Monat der Rosen... Aber auch der Monat der Bier-Radi."

Puh... Das ist mal eine Aufgabe! Bei so einem Mitternachtsessen durchgehend schweigen? Und das noch wenn die gesprächigsten einen Schnuller im Mund haben? Na ja davon, dass nicht gelacht werden darf, steht ja nun nichts in der Anleitung. Sehr lustig finde ich auch den letzten Satz, weil er so wunderbar lakonisch klingt. Aber was bitte ist ein Bier-Radi? Ich hab mal google gefragt und fand heraus: Bier-Radi kann man essen. Wenn ich es richtig verstanden habe, findet man ihn vor allem in Biergärten, wo er gern zum Weizen dazu bestellt wird. Im Endeffekt ist ein Bier-Radi ein gewürzter und besonders geschnittener Rettich... Na? Wer von Ihnen, liebe Leser hatte schonmal Bierradi? Oder ein Schweise-Souper?

Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Kommentar hinzufügen