Das Wort zum Monat Oktober aus der Zeitschrift Film und Frau von 1957 fällt für den Oktober folgendermaßen aus:

"OKTOBER Astrologisch: Die Sonne tritt in das Tierkreiszeichen der Weißwürstl. Der 17. war früher der Kirchweihsonntag, da beschenkten sich die Liebespaare mit der "Kirta" als "Bindband". Viel wichtiger aber ist der 28., der Tag Simons, des Gehorchenden, des Patrons der Pantoffelhelden. Sollten Sie sich einen solchen erträumen, so küssen Sie ein Hufeisen, dessen Enden aufwärts zeigen. Warum "Simon" seine drollige Bedeutung erhalten hat, darüber streiten sich die Fachgelehrten. Vielleicht aus dem Wortspiel: "Sie-Mann, Er-Weib!". Zur Zeit des Barocks gab es in Österreich die "Siemandelbrüderschaften", die am 28. Oktober zusammenkamen, um wenigstens einmal im Jahr über die Stränge zu schlagen. In der Stadt Krems, wo sie ihr Hauptquartier hatten, steht heute der "Siemandelbrunnen"! Der Ort eignet sich trefflich als Ziel für Hochzeitsreisen."

Doch im Oktober gibt es nicht nur seltsame Gebräuche für Heiratswillige und das Oktoberfest. Es gibt auch das Erntedankfest!In der oben genannten Ausgabe von Film und Frau gibt es einen längeren Artikel dazu, den ich an dieser Stelle in Auszügen Zitieren darf:

Am ersten Sonntag im Oktober ist Erntedankfest! Merken Sie sich diesen Freudentag auf dem Kalender rot an: Es ist im Jahre 1958 der 5. Oktober. Warum soll nicht auch der Städter im 14. Stockwerk seine Appartement-Hochhauses einen bunten Erntekranz an die Decke hängen, gewunden aus farbigen Laub und Herbstblumen und besteckt mit Früchten aus Feld und Garten? Auch im Zeichen der liberalisierten Einfuhren aus aller Herren Ländern! Auch bei anderen Völkern werden die Kartoffeln nicht maschinell erzeugt, sondern mit Gottes, der Erde, der Sonne und des Regens Hilfe. (...) Früher da ging's um diese Zeit hoch her. Wilhelm Raabe hat das einmal sehr farbig geschildert: "Die bebänderte, mit Goldflittern und künstlichen und wirklichen Blumen geschmückte Erntekrone wurde auf der höchsten Garbe des letzten Erntewagens aufgepflanzt. Jetzt wurden die Erntearbeiter fröhlich. Sie schrien und jauchzten und umtanzten den Wagen, sie jagten einander durch den wehenden Duft. Ein Mädchen wurde als Erntekönigin auf den für sie bereiteten Sitz gehoben, gerade unter der bunten, bebänderten Krone. (...) "Nun schreit euch aus", rief eine Stimme, als die Heimfahrt begann, "und bringt dem guten Jahr ein Vivat; nachher tanzen wir in den Winter hinein." Tanzen auch wir in den Städten an diesem ersten Oktobersonntag "in den Winter hinein"! "Wenn das Wetter schön ist, geht's hinaus auf die Felder. Nicht nur mit Kind und Kegel, sondern mit guten Nachbarn und Freunden: Eine große, muntere Gesellschaft. Jeder hat sein "Ressort": Müller transportiert - im Wagen, per Bahn oder Fahrrad - die rohen Bratenstücke. (...) Wir wollen nämlich gemeinsam draußen auf einer Wiese oder am Rand eines Ackers ein Freudenfeuerchen anzünden und im Grünen ein paar prachtvolle Leckerbissen am Spieß braten. (...) Der Oktober ist schon etwas kühl und in freier Natur bekommt jeder Hunger. Selbst die Holywoodkur-Anhängerinnen unter den Gästen. Meier ist der Fuhrmann für die Flaschen. Bierflaschen sollen es sein, sorgsam in einem kräftigem Korb verstaut. Bier gehört zu einem rechten Festessen im Freien. Schulze übernimmt die Riesenlaibe nicht zu frischen Landbrotes. (...) Schuster beschafft Holzkohle und Buchenscheite. Denn nur mit Buchenholz gerät unser Spießfleisch richtig. Und damit der Gute nicht allzu billig davon kommt, muss er sich auch noch um Korn und Zwetschgenwasser kümmern. Jeder trägt so gut bei wie er kann. (...) Damen? - Natürlich sollen sie mit von der Partie sein. Aber zu tun haben sie diesmal nichts. Sie dürfen sich allenfalls um die Salatblätter kümmern und das Dressing. Das andere besorgen die Männer, getreu dem alten Schwarzwälder Verschen: "Und wenn der Teufel die Maidli holt - dann lernen de' Buebe 's Koche!" (...)" In der Folge wird ausführlichst erklärt, wie man eine Feuerstelle baut und das Fleisch zubereitet und wie man sich während dessen die Zeit zu vertreiben hat (mit Geschichten und Wetten und so). Es scheint eine Kunst für sich zu sein Erntedank zu feiern...

"Und ab und zu wird ein Schlückchen getrunken und ein Toast ausgebracht auf das brave Landvolk. Denn wir wollen natürlich nicht den Anlass unseres Festes vergessen. Die "Hochs" und "Vivats" dürfen ruhig apart verpackt sein, etwa so, dass in Abständen von 10 Minuten "Meldungen" aus allen fünf Erdteilen eintreffen, die unserm "Erntedankfest" einen großartigen internationalen Charakter verleihen: Die Meldungen zieht jedes Mal Herr Meier, Herr Schulze oder Herr Schuster aus der Tasche, bittet um Silentium und verkündet: "Liebe Festfreunde! Soeben erhalte ich aus Colombo den Funkspruch, dass in dieser Sekunde der Frachter "Tomar" mit 600 Sack Kokosnüssen in See sticht! In jedem dieser Säcke, meine Freunde, befinden sich 100 Kokosnüsse für uns! Trinken wir auf die Singhalesen von Ceylon, die uns nicht nur den 5-Uhr-Tee ermöglichen, sondern auch unsere süßen Kokosflocken!" Trinken wir auch auf Formosa und den Dampfer "Nabob" mit seinen 70.000 Dosen Ananas und auf die südafrikanische Orange-Marmeladen-Ernte! Vergessen wir nicht, uns für das Tomatenmark zu bedanken, den Kaffee und den herrlichen Kakao! All das wurde für uns geerntet. Es ist gut, einmal im Jahr daran zu denken. Bis der Spießbraten gar ist. (...)" Nun werden diverse Kartoffel-Gar-Techniken ausführlich und ermüdend erläutert... "Man kann sogar das ganze Erntefest um diese schlichten Kartoffeln herum aufbauen. Dann spart man sich das Ochsenfleisch und kann, wie es im Hessischen gepflogen wird, zu den gebratenen Erdäpfeln einfach ein "Zwiebelmus" (geschnittene Zwiebeln mit Essig, Öl und Sahne) und etwas frische Butter essen. Selbst derjenige, der so etwas zu Haus in der Stadt nimmermehr anrühren würde, wird draußen am abendlichen Lagerfeuer Geschmack daran finden. (...) Ob Ochsenbraten oder Hering: in jedem Fall wird um das Feuerchen bei einem Erntedankfest getanzt. (...) Wenn Zweifel darüber aufkommen sollten, wer bei einem solchen Gemeinschaftsausflug die Rinderrippen und Kartoffeln bezahlen soll, so gibt es folgendes ganz allerliebstes Spiel, das zu entscheiden: Zu lustiger Musik wird um das Feuer getanzt. Das erste Tänzerpaar bekommt einen Erntestrauß und muss diesen Straß einem anderen Tänzerpaar weitergeben. Doch dies wird nicht allzu leicht gelingen, denn damit hat es eben seine Bewandtnis: Bevor das Tänzchen begann, wurde an einem "Kanonenschuss", also einem Feuerwerkskörper die Lunte angezündet. Und die Spielregel lautet: Wer gerade das Sträußchen in Händen hält, während der Böllerschuss kracht, der muss das essen mit allem Drum und Dran bezahlen."

Nun ist zwar der erste Sonntag des Monats schon vorbei, aber man kann ja auch noch nachträglich Erntedank feiern. Ob man nun welchem Gott auch immer dankt oder einfach der Globalisierung ist ja zweitrangig. Ich persönlich finde, dass es eigentlich eine schöne Geste ist mal kurz an die zu denken, die unsere Ernährung ermöglichen und sie mit Bier und Schnaps zu würdigen ;-)

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Kommentare

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