Musik von der Schallplatte zu hören, ist eine tolle Sache, finden Sie nicht auch? Neben dem einzigartigen Klang mag ich persönlich die Gesten und Bewegungen, die dazu gehören: Die Schallplatte vorsichtig aus ihrer Hülle nehmen, das Auflegen der Nadel (was mir mein jetziges Gerät dank Vollautomatik abnimmt), das Knaxen kurz vor dem ersten Ton… Es ist ein kleines Ritual und es bewegt mich dazu wirklich bewusst Musik zu hören.

Freunde alter Musikgeräte und Rundfunktechniken kommen im Kuba-Museum in Wolfenbüttel auf ihre Kosten und Miss van Dal und ich haben ihm neulich einen kleinen Besuch abgestattet.

Das kleine Museum ist vereinsgestützt und hat jeden zweiten Samstag im Monat geöffnet. Sie können aber auch einfach Kontakt aufnehmen und einen Termin für eine Führung abmachen.

Kuba war eine Tonmöbelfabrik die in der Wirtschaftswunderzeit in Wolfenbüttel ihre Produktionsstätten hatte und überregional Berühmtheit erlangte. 1948 von Gerhard Kubetschek gegründet, der seinen Spitznamen aus Kriegszeiten zum Exotik und Glamour verheißenden Markennamen machte, kombinierte die Firma zunächst Musikgeräte anderer Firmen zu Multifunktionsmöbeln. Der erste Renner der Firma war die Musiktruhe „Traviata“, auch liebevoll Brotkasten genannt.

Das Schöne am Kuba-Museum ist sein ganz eigener, nicht allzu musealer Charme. Mit Wohnzimmermöbeln, Stellchen und Zeitschriften versucht man hier auch das Ambiente der Zeit etwas zu beleben und die Vereinsmitglieder (zumindest diejenigen, die wir bei unserem Besuch getroffen haben) sind kundige Leute ihres Fachs und der Technikgeschichte, die die Geräte gerne selbst wieder in Stand setzen.

Doch zurück zur Firmengeschichte: Sehr schnell konnten Kuba-Produkte deutschlandweit und sogar international verkauft werden. Man bediente ein zahlungskräfiges Publikum, das sich den neuen Schick, qualitätvolle Schreinerarbeit und neueste Technik gerne leistete. Es wurden technische Raffinessen in die Möbel eingebaut, wie z.B. automatisches Öffnen oder Schließen, zudem konnten Getränkefächer und Schallplattenhalter integriert werden. Alles was man für eine perfekte Cocktail-Party brauchte brachte ein Kuba-Möbel mit.

Eine Berühmtheit aus dem Hause Kuba mit integriertem Fernseher ist die Kombinationstruhe Komet, die nicht nur ob ihres abgefahrenen Designs Begeisterung hervorrief (und es zumindest bei mir und sicher etlichen Freunden der 50er noch tut), sondern auch alles mitbrachte, was das Herz begehrte: einen Fernseher, einen Plattenspieler und ein Radio. Nach Wunsch konnte auch noch ein Tonbandgerät eingebaut werden. Der futuristische Aufsatz mit dem Fernseher war drehbar. Natürlich hatte soviel Luxus auch seinen Preis: 3227 Mark kostete eine Komet, was heute ca. 7300€ entspricht…

Doch nicht nur verschiedenste Modelle und Musikmöbel aus dem Hause Kuba, können im Kuba-Museum angesehen und auch in Aktion erlebt werden. Es gibt eine eigene Abteilung für Grammophone, der sich vom Koffergrammophon bis zur schicken verspiegelten Jukebox aus den 30ern vieles befindet.

Immer greifbar sind Schellackplatten, die gerne für Hörproben aufgelegt werden. Kleiner Tipp für den nächsten Flohmarktbesuch: Sollten Sie dort eine nur einseitig mit Rillen versehene Schellackplatte finden und günstig erstehen können, haben Sie damit ein gesuchtes Stück gefunden. Denn die einseitigen Schelleckplatten sind noch alle einzeln aufgenommen und somit quasi jede ein Unikat für das es eine eigene Aufführung gab.

Auch einige Phonographen befinden sich in der Sammlung. Der 1877 von Edison erfundene Urgroßvater der Aufnahme- und Abspielgeräte nimmt den Ton von recht fragilen Wachswalzen ab. Wer den Film Crimson Peak gesehen hat, dem dürfte angesichts dieser Geräte ein kleiner Schauer über den Rücken laufen ;-)

Das Museum hat außerdem eine stattliche Sammlung von Fernsehern und Radios aller Produktionsorte und Jahrzehnte. Besonders aufregend ist es, einen der ältesten Fernseher in Aktion zu sehen. Das Stück stammt aus dem Jahr 1937, das bewegte Bild ist über einen Spiegel im Deckel der Standtruhe zu sehen.

Die Radioecke bietet einen großen Überblick über die Formen und Fabrikationsvielfalt, vom Volksempfänger bis zum Kofferradio mit Krokodilsleder ist alles dabei und man wünscht sich fast, sich sein Lieblingsstück aussuchen und mit heim nehmen zu können. Leider können viele dieser alten Radios mit der Zeit nicht mehr genutzt werden, denn 2015 wurden Lang- und Mittelwellefrequenzen abgestellt und auch die UKW-Frequenz sieht man in Radio-Kenner-Kreisen in Gefahr. Allerdings können manche Geräte doch auf die digitale Technik umgerüstet werden. Bei Fragen dazu, liebe Leser, richten Sie sich vertrauensvoll an das Kuba-Museum.

Vielleicht haben Sie ja Lust bekommen einmal dort vorbei zu schauen? Welche alten Musik- und Rundfunkgeräte haben Sie zu Hause? Oder sind Sie doch eher ein Freund digitaler Wiedergabegeräte? Ich bin neugierig auf Ihre Kommentare!

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Kommentare

Ein lesenswerter Bericht, darf ich auf einen Fehler aufmerksam machen? Sie schreiben: Natürlich hatte soviel Luxus auch seinen Preis: 3227 Mark kostete eine Komet, was heute ca. 7300€ entspricht… Hier möchte ich korrigieren, 3227 DM sind 1.649,94 Eur.
geschrieben am Thu, 16 Mar 2017 08:25:11 von Lorenz Lucas
Ein lesenswerter Bericht, darf ich auf einen Fehler aufmerksam machen? Sie schreiben: Natürlich hatte soviel Luxus auch seinen Preis: 3227 Mark kostete eine Komet, was heute ca. 7300€ entspricht… Hier möchte ich korrigieren, 3227 DM sind 1.649,94 Eur.
geschrieben am Thu, 16 Mar 2017 08:24:36 von Lorenz Lucas
Das Kuba Tonmöbel Komet, ist ein absoluter Traum u. war zu seiner Zeit fast unbezahlbar. Ich las vor geraumer Zeit, dass der damalige Verdienst Brutto ca. 150 - bis 200 DM (Monat) betrug, dass heißt, dass es ungefähr 16 Monatsgehälter brauchte, um sich den Komet in die Wohnung zu stellen. Auf heutige Verhältnisse übertragen hieße das, bei Zugrundelegung eines Monatsverdienstes von 3000€ Brutto, läge der Gerätepreis bei - 48000€
geschrieben am Thu, 29 Sep 2016 05:24:06 von T. Heubel
Vielen Dank für diesen interessanten und amüsanten Beitrag.
geschrieben am Sun, 18 Sep 2016 14:54:36 von Rössel

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