Am Samstag dem 08. November verschlug es meine WG-Genossen, mein Schwesterlein und mich nach Bingen. Trotz unseres nicht mehr ganz so jugendlichen Alters hatten wir das dortige Jugendzentrum zum Ziel, wo Skapa Flöw, Snakebite und Chase the Ace spielen sollten. Das Ganze hatte in erster Linie private Gründe, denn Nikki Action, der Sänger von Snakbite ist ein langjähriger Freund des Hauses Chaos-WG und fast Sandkastenkumpel der männlichen WG-Genossen. Als selbsterkorener Koblenz/Mainzer Snakebite Fan-Club bzw. die Snakebite-Hools konnten wir den Auftritt der Band natürlich nicht verpassen. Das JUZ in Bingen ist lauschig an der Bahnstrecke gelegen, die sich entlang des Rheins gen Norden schlängelt. Es besteht aus einem wunderbar mit Tank-Girl-Motiven dekoriertem Raum mit Bar, Bühnenecke und einer hübschen Veranda mit Rhein-Rüdesheim-Blick. Es atmet den Charme einer alkoholgetränkten und mit Punk/Metal/sonstwielaut untermalten Dorf- und Kleinstadtjugend und ist schon deshalb ziemlich sympathisch. Die 2 Euro-Weinschorle, die deutlich mehr Saurer als Schorle ist, überzeugt auch den letzten Skeptiker. In diesem Ambiente eröffneten also am Samstag Skapa Flöw den Abend mit viel Selbstironie und Ventilatorenluft. Wenn auch für mich persönlich die recht hohe Stimme des Frontmanns etwas gewöhnungsbedürftig war, machten die Herren als erste Band des abends, die es ja immer etwas schwer hat, ihren Job ziemlich gut und gaben eigenes aber auch einschlägige Metalgassenhauer zum Besten.

Snakebite konnten dann schon ein paar mehr der Besucher in Bühnennähe locken und hellten die Stimmung mit ihren glamrockigen Ohrwürmern auf. Wenn auch die Band etwas schüchtern bzw. steif im Umgang mit dem Publikum schien, brachten die drei Herren aus Gießen ein abwechslungsreiches Potpurri aus energiegeladenen Liedern wie Princess of pain und langsameren Mitgröl-Lieder wie Road to nowhere.

Chace the Ace schließlich waren dem Bingener Publikum offenbar schon durch zwei vorherige Auftritte im JUZ bestens bekannt. Die Herren aus England waren hier wohl im Rahmen einer Europa-Tour gelandet und mochten es hier so sehr, dass sie entschieden hatten, nochmal einzukehren. Hier mischten sich nun der Partywille des Publikums und die Spielfreude der Band zu einem gelungenen Schuhauszieher. Besonders sei hier das Show- und Unterhaltungstalent des Frontmanns hervor gehoben, der – halb Mensch, halb atemberaubender Haarschopf – der Menge ordentlich einheizte und auch mal, wie es sich für prolligen 80er Rock'n'Roll gehört alle jungen Damen im Raum auf die Bühne kommandiert.

Alles in allem hatten wir einen schönen Abend in Bingen mit empfehlenswerten Bands, die wirklich Spaß gemacht haben.

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