Das neue Lieblingsstück der Woche ist so charmant, dass ich es eigentlich ständig tragen möchte. Leider ist es dem privaten Raum, genauer dem Schlafzimmer vorbehalten.

Diese Bettjacke aus den 50er Jahren ist rosa, Kragen und Ärmelaufschläge sind durch einen schwarz gepunkteten Stoff abgesetzt. Vorne ist das kurze Jäckchen mit 3/4-Ärmeln mit 3 Knöpfen und einer Schleife am Bubikragen zu schließen. Das Jäckchen ist gesteppt und aus Perlon - Und hält daher schön warm. Ich habe es für schlappe 10 Euro bei Ebay erstanden.

Doch was genau ist eine Bettjacke? Und warum gibt es sie? Braucht man sowas? Ich habe mich ein wenig auf Spurensuche begeben und in der Geschichte der Nachwäsche gestöbert: Das Nachthemd in kurz oder lang, mit oder ohne Ärmeln gibt es etwa seit der Renaissace in den unterschiedlichsten Ausführungen, vom einfachen Leinenhemd bis zum aufgerüschten Luxusflatterkleid. Der Pyjama trat seinen Siegeszug im 19. Jahrhundert vor allem in der Herrenwelt an. Mit der Rocklänge, die ab Beginn des 20. Jahrhunderts immer weniger wurde, verkürzte sich auch das Nachthemd. Mit dem gleichnamigen Film, der 1956 über die Leinwände flimmerte wurde das Babydoll populär: ein ungefähr hüftlanges weites Hemdchen, dass über einer kurzen Pluderhose getragen wird.

Soweit also die recht oberflächlichen Erkenntnisse meiner Recherche. Leider wird man kaum fündig, wenn man speziell nach einer Lexikon-Erklärung für die Bettjacke sucht. Schnittmuster und Modezeitschriften der 30er bis 50er Jahre sind da schon aufschlussreicher. Hier kann man beobachten, dass man eine Bettjacke vor allem über ein Nachthemd trug, die damals eher lang als Knielang getragen wurden.

Die Materialien variieren mit dem Luxusgrad. Es gibt gestrickte oder gehäkelte Modelle, Modelle aus leichten Baumwollstoffen oder Flanell und natürlich Modelle aus Seide, Spitze oder durchsichtigen Stoffen.

Beim Lesen oder Frühstücken im Bett friert Frau im ärmellosen Nachthemd und braucht einen Überzieher: Das Bettjäckchen. Auch wenn man des nachts mal raus muss oder morgens den Ofen/die Heizung anwirft ist es gut, sich schnell etwas überziehen zu können. Meines ist ein ganz typisches Exemplar: Die Länge ist ca. bis zu Taille, die Ärmel sind ebenso lang oder ganz lang. Oft wird das Jäckchen nur am Kragen durch eine Schleife geschlossen.

Fazit aus Recherche und Praxis: Bei diesem Kleidungsstück handelt es sich eher um ein komfortables Luxusaccessoire, als um textile Notwendigkeit. Aber da es so wunderbar anzusehen ist hat es genutzt oder ungenutzt einen festen Platz in meinem Schlafzimmer gefunden.

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