Schrullig wie ich nun mal bin, interessiere ich mich hin und wieder für Dinge, die sonst wohl nur noch sehr wenige andere Leute interessieren... Schon eine ganze Weile hege ich aus verschiedenen Gründen eine kleine Schwäche für das Medium Kalender und seine Geschichte. Kalender sind zwar vermeindlich unbedeutende Details im Alltag vieler Menschen, aber sie sind ein sehr altes Detail, dass über die Zeit viele Formen angenommen hat. Schließlich musste Mensch schon immer aus verschiedenen Gründen wissen, welcher Tag nun eigentlich ist. Da Kalender (im weitestens Sinne des Wortes) spätestens seit Gutenbergs Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern in Massen produziert werden, in gebundener Form oder zum an die Wand hängen, sind sie vielleicht eines der ersten Massenmedien im eigentlichen Sinne. Denn sowohl der Bauer auf dem Feld, als auch der Beamte oder der Kaufmann wollten seit jeher wissen, welcher Wochentag oder Feiertag ist. Bald fügte man den Angaben von Tagen und Monaten noch Nachrichten, Lehrtexte oder Unterhaltendes hinzu. So bekam der Konsument quasi mehr für sein Geld. Aber genug gefaselt: Das Lieblingsstück dieser Woche ist dieses kleine Heftchen, der "Deutsche Tierschutz-Kalender" im 25. Jahrgang aus dem Jahr 1907.

Herausgegeben wurde er laut Cover vom "Verbande der Tierschutz-Vereine des deutschen Reiches" und gedruckt und verlegt in der königlichen Universal-Druckerei von H. Stürtz in Würzburg. Das kleine Heftchen enthält 12 hübsch illustrierte Monatsblätter, auf denen die Tage, Wochen und Tagesheiligen (in evangelisch und katholisch!) aufgelistet sind. Die Illustrationen sind mit FF signiert, was wohl für F. Freidlof steht (habe es nicht ganz entziffern können).

Der Kalender enthält elf Gedichte, Geschichten und kurze Texte rund um den Umgang mit Tieren. Hier ein kleines Beispiel:

"Der Hofhund Die Kälte, die wir heute spüren, Spürt Phylax auch; drum habe acht, Daß der nicht hungern muß und frieren, Der Haus und Hof so treu bewacht."

Hinten gibt es noch ein Notitz-Blatt und einen Stundenplan, in den sich ein braves Schülerlein eingeschrieben hat. Bemerke: Damals gabs noch die Sechs-Tage-Woche!

Meine Recherche hat ergeben, dass der Verband der Tierschutz-Vereine, heute bekannt als Deutscher Tierschutzbund, sich 1881 als Dachverband aller Tierschutz-Vereine im Deutschen Kaiserreich gegründet hat. Der kleine Kalender ist ein Hinweiß darauf, dass Organisationen (aller Art) dieses praktische Medium gerne als Organ der Wissensverbreitung und –- energisch formuliert -– der ideologischen Schulung nutzten. Ich darf an dieser Stelle auf das Tierschutzportal verweisen, dass einen kurzen Überblick über Tierschutz und -vereine in Deutschland gibt. Leider ist online kaum mehr über die Geschichte der Organisation zu finden. Das Buch "Tierschutz im Kaiserreich. Ein Beitrag zur Geschichte des Vereinswesens" von Miriam Zerbel scheint dem Abhilfe zu schaffen – falls sich jemand noch tiefgreifender informieren möchte.

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