Ladengeschäfte prägen das Bild und den Alltag einer Stadt – besonders wenn wir durch regelmäßigen Konsum eine persönliche Bindung aufgebaut haben. Man kennt die Leute die dort arbeiten und weiß, dass man auch bei besonderen Wünschen gut versorgt ist. Das kann der Bäcker um die Ecke sein, ein Tabakwarenladen oder eben ein Hutgeschäft. „Hut Mühlenbeck“ in der Mauritiusstraße in Wiesbaden ist so ein Fall. Diesen Hutladen gibt es schon seit 1925 und über seine Geschichte und natürlich Kopfbedeckungen haben Miss Vandal und ich mit dem Inhaber Andreas Voigtländer und der Meister-Modistin Frau Sommerfeld gesprochen.

Ursprünglich befand sich das Geschäft, welches Willi Mühlenbeck 1925 gründete in der Faulbrunnstraße. Man konnte dort nur Herrenhüte und Schülermützen erwerben. Letztere waren wie Schuluniformen für jede Schule und Klassenstufe verschieden – im Film „Die Feuerzangenbowle“ von 1944 finden Sie zum Beispiel entsprechendes Anschauungsmaterial. Herr Voigtländer erklärte uns, dass Damen- und Herrenhüte damals getrennt verkauft und auch produziert wurden: Der Hutmacher fertigte die Herrenhüte und Stumpen in Serie, die Modistin verarbeitete für die Damen Stumpen weiter und schuf die Modelle nach den Wünschen und der Garderobe der Käuferinnen. Einen Zylinder aus dem Hause Mühlenbeck nebst einer wunderbar ökonomischen zugehörigen Hutschachtel hat Herr Voigtländer als museales Stück in der eigenen Sammlung. Wie Sie auf den Bildern sehen können, handelt es sich dabei um einen Chapeau Claque, den der feine Herr trug und der zur Lagerung zusammengeschoben werden konnte. Ebenso wandelbar ist auch die Hutschachtel. Dies ist Liebe zum Detail und die äußerst qualitative und langlebige Verarbeitung, die so Mancher heute bei vielen Konsumprodukten vermissen mag.

Mühlenbeck verstarb 1952 kinderlos, doch sein Geschäft lebt weiter. Es wurde von Karl-Heinz Voigtländer und dessen Frau Johanna – ihres Zeichens gelernte Modistin - übernommen, die als Kriegsflüchtlinge in Wiesbaden gestrandet waren. Sie hatten in Bad Schwalbach bereits ein Hutgeschäft betrieben und sich eine neue Existenz aufgebaut. Bald nach der Übernahme des Mühlenbeck‘schen Ladenlokals wurde das Geschäft eines der Führenden in Wiesbaden. Mit der Zeit erweiterte man das Sortiment: Damenhüte, Kinder- und Jugendkopfbedeckungen – man ging selbstredend mit der Zeit, doch der Name Mühlenbeck blieb bis heute, er ist eine Marke seit 1925. Heute finden sich neben Hüten, Mützen und anderen Kopfbedeckungen weitere Accessoires, wie Schals, Handschuhe, Hutschachteln und Hutnadeln im Sortiment.

1967 zog man um in die Mauritiusstraße, wo Kunden unterschiedlichster Couleur auch heute noch eine große Auswahl finden und auch die Möglichkeit haben, sich in der Werkstatt ganz individuelle Modelle anfertigen zu lassen – wie zu Urgroßmutters Zeiten. Frau Sommerfeld gab uns einen detaillierten Einblick in ihr Handwerk: Sie erklärte z.B. wie man einen solchen Hutstumpen aus Filz durch Feuchtigkeit die Form gibt, indem man ihn über solche Modelle zieht. Diese Holzgeräte haben bei Mühlenbeck Jahrzehnte überdauert. Später wird die Krempe des Hutes gearbeitet.

Neben Filzen verschiedenster Qualitäten ist auch Stroh eines der Hauptmaterialien für Hüte, denn natürlich ist dieses gerade in den Sommermonaten wesentlich angenehmer zu tragen. Zur Verzierung der Hüte stehen in der Werkstatt verschiedenste Materialien zur Verfügung, die unendliche Möglichkeiten für Eigenkreationen eröffnen. Dazu gehören Stoffe, Bänder, Federn und es kann sein, dass auch einmal z.B. ein Schleiertüll genutzt wird, der noch original aus den 50er Jahren stammt. Das liegt daran, das zum Teil Materialien z.B. bei Firmen oder Lager-Auflösungen erstanden werden – Hauptsache natürlich die Qualität stimmt. Dieses Detail dürfte vor allem für Vintage-Individualisten interessant sein, denn ist es nicht unheimlich verlockend einen Hut im Stil der 40er oder 50er aus Materialien der damaligen Zeit als neu geschaffene Maßanfertigung sein Eigen nennen zu dürfen?

Das Schöne an dem Mühlenbeck’schen Ladengeschäft ist, dass man dort ausprobieren kann, welcher Hut einem für bestimmte Gelegenheiten oder für alle Tage am besten passt. Das bedeutet einerseits, dass er zur Gesichtsform passt (eine kleine Hilfestellung finden Sie auch hier im Salon), aber auch zum eigenen Stil. „Es gibt keine falsche Kleidung“, sagt Herr Voigtländer und zählt dazu selbstredend den Hut. Allerdings zeugt es für ihn von Anstand und Respekt gegenüber der Umwelt und der Situation, sich innerhalb des persönlichen Stils dem Anlass entsprechend zu kleiden. Und da können wir nur zustimmend beipflichten. Wie haben wir doch bei Frau Aureden gelernt? Eleganz (und dazu gehört zu wissen, wann welches Outfit angemessen ist) ist keine Preisfrage, sondern eine Frage des guten Geschmacks.

Viele Hutformen, die man bei Mühlenbeck findet, sind für viele Anlässe und den Alltag gleichermaßen einsetzbar. Wir haben einige Modelle ausprobiert und dabei noch folgende Hutgeschichten erfahren:

Der Herrenhut ist heute bei Männer und Frauen gleichermaßen beliebt.

Früher konnte man den Stand des jeweiligen Trägers oder der Trägerin noch genauer an der Kleidung, also auch den Hutformen ablesen. Schiebermützen (wie ihn zum Beispiel die Peaky Blinders tragen), trugen vor allem Arbeiter, die Melone hingegen war der klassische Hut für den Angestellten.

Der Homburg heißt so, weil der britische Thronfolger Edward (später der VII.) ihn in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts bei einem Bad Homburger Hutmacher in Auftrag gegeben hatte. Hauptmerkmal ist die nach oben gebogene Krempe.

Das oft für Herrenhüte verwendete Panama-Material heißt nicht aufgrund seiner Herkunft so, sondern weil bei der Eröffnung des Panama-Kanals durch Präsident Roosevelt 1914 alle Herren helle Hüte aus diesem Material trugen und so das Bild des Ereignisses in der Welt prägten.

Ein sportlicherer Hut für Sommernachmittage war dem Herrn die Kreissäge und abends griff man auf den Zylinder zurück.

Die Artenvielfalt ist bei den Damen noch ein bisschen größer und doch entscheidet auch hier natürlich die Gelegenheit und die restliche Garderobe. Fascinator sind, so Herr Voigtländer, zu Zeit sehr beliebt, seien aber eher etwas für besondere Anlässe.

Ein Klassiker seit den 20er Jahren ist die Cloche (frz. Glocke)....

oder die Pillbox-Hütchen der 60er...

...und das Schiffchen.

Aber auch breitkrempige und kantigere Modelle in unterschiedlichen Materialien für Sommer oder Winter stehen bei Mühlenbeck zur Auswahl.

Gerade durch den Vintage-Trend werden bestimmte Klassiker gern gekauft und jeder, der sich im Stil früherer Zeiten kleiden möchte, wird einen passenden Hut zum Outfit bei Mühlenbeck finden. Allerdings, betont Voigtländer, ist die Auswahl des Angebots keineswegs nur der Tradition verpflichtet. Allein verpflichtet die Tradition dazu, ein gutes Hutgeschäft zu sein. Wenn Sie nicht gerade in Wiesbaden und Umgebung weilen, können Sie Hut Mühlenbeck übrigens auch einen virtuellen Besuch im eigenen Online-Shop oder auf Ebay abstatten.

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Kommentare

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