Wie sie vielleicht schon bei meinem entsprechenden Facebook-Beitrag mitbekommen haben, weile ich zur Zeit in Wolfenbüttel, nahe Braunschweig und muss sagen, dass ich mich sehr wohl fühle. Es ist ein kleines und gemütliches Städtchen, schön grün noch dazu und die vielen alten Häuschen erfreuen das Nostalgiker-Herz. Nicht zuletzt kann man hier wundbar alte Bücher studieren. Umso verblüffter war ich, als ich in einer neuerlich erstandenen alten Frauenzeitschrift, nämlich der „Frauenwelt“, Heft 4, 1950, diesen Artikel über meinen aktuellen Wohnort fand:

Bei einem Spaziergang durch die Stadt habe ich mich auf die Suche nach den Ecken begeben, die Sie in den Bildern des Artikels sehen können. Sehen Sie selbst, es hat sich gar nicht so viel verändert ;-)

Hier sehen sie das Schloss, die Figuren halten den Besucher davon ab in den Schlossgraben zu springen. Im Artikel der Frauenwelt heißt es:

„Die Stadt hat ihre geschichtliche Bedeutung als Hauptstadt eines selbständigen Herzogtums mit dessen Auflösung verloren. Ihre große Zierde und ihr wertvollster Besitz ist auch heute noch die unter Herzog August dem Älteren 1668 begründete Landesbibliothek, eine der wertvollsten Sammlungen der Welt mit 8000 Handschriften. Hier arbeite von 1696-1716 der große Philosoph Leibniz, war von 1777-1781 Lessing sein ebenbürtiger Nachfolger.“

Die Herzog August Bibliothek liegt in direkter Nachbarschaft zum Schloss, wo sie im alten Zeughaus und in einem Prachtbau des späten 19. Jahrhunderts untergebracht ist.

Hier sehen sie den quasi den Eingang in die Innenstadt vom Schloss her kommend. In den Krambuden (so heißt die hier gezeigte Straße) gibt es Geschäfte, Cafés und Restaurants. Besonders empfehlen kann ich Omis Backstube, wo es die köstlichsten Kuchen und andere süße Leckereien in gepflegtem Wohnzimmerambiente zu genießen gibt.

„Die schöne alte Stadt hat den engen Rahmen ihrer ehemaligen Umwallung gesprengt. An Stelle der Befestigungsbauten sind prachtvoll grünende Anlagen getreten. Viele gewundene Gäßchen führen von ihnen in das Stadtinnere, wo die kräftigen Türme der Marien- und der Pfarrkirche das Gewirr der spitzgiebeligen Fachwerkhäuser überragen.“

Teile dieses riesigen Kirchenbaus sehen Sie auf diesen Fotos, ausgerechnet die Seite, die die Fotografin von 1950 festhielt, befindet sich gerade hinter einer wahrscheinlich pflegenden Gerüstmaske:

„Die ganze Sorgfalt und Freude handwerklichen Könnens offenbart sich in den reichgegliederten, mit Spruchbändern und Schnitzwerk verzierten Außenwänden dieser seit Jahrhunderten unveränderten Wohnbauten. „Wann Adam backt und Eva spinnt, Das Haus den Giebel bald gewinnt“, lautet das ermunternde Motto, unter dem Christopher Schelle und Veonica Richtern 1663 ihren Behäbig breit ruhenden Hausbau begannen.“

Den Spruch am Haus habe ich gefunden, das Gebäude selbst hat sich offenbar seit 1950 stark verändert:

Ich hoffe unser kleiner Rundgang durch Alt-Wolfenbüttel hat Ihnen gefallen. Vielleicht animiert er ja zu einer kleinen Reise hierher?

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